Normal

Gestern habe ich über Lügen gesprochen.

Über unausgesprochene Lügen.

Über Dinge, die als „richtig“ und andere, die als „falsch“ angesehen werden.

Es ist anstrengend, sich den Zwängen anderer zu wiedersetzen, „richtig“ zu sein.

Richtig wird auch als „normal“ angesehen.

Wer nicht „normal“ ist, stellt anscheinend eine Gefahr dar und muss „normal“ gemacht werden.

In dem Hostel, in dem ich gerade auf Bali wohne, versuchen einige mich seit ein paar Tagen in den Sog der „Normalität“ zu ziehen.

Ich führe Gespräch lieber nüchtern und eher in kleinen Gruppen, nicht zu zehnt mit Alkohol im Blut.

Ich sitze also abends oft alleine auf meinem Sitzsack neben dem Pool, lese und schreibe.

Während manche mich mit Argusaugen beobachten.

Jemand kommt zu mir:

„Setz dich doch zu uns, du bist ja hier alleine.“

„Schon okay, danke“, sage ich, „ich habe gerne ein bisschen meine Ruhe. Wir können ja irgendwann bei Gelegenheit mal quatschen.“

Solange wir etwas tun, das die Masse nicht macht, werden wir als unnormal, verrückt oder falsch angesehen.

Das ist schmerzhaft.

Urzeitlich war es tötlich, da wir auf die Gruppe angewiesen waren.

Von ihr hing unser Überleben ab.

In dieser Zeit sind soziale Kontakte zwar immer noch wichtig, es ist einfach eines unser Bedürfnisse, uns auszutauschen.

Das bedeutet allerdings NICHT das wir uns verbiegen müssten, dass wir anders sein müssten, als unser Herz es uns vermittelt.

Du hörst es vielleicht zu oft, doch es kommt von Herzen:

So wie du bist, bist du völlig in Ordnung.

Lasse dir nichts anderes einreden.

Sage dir das immer wieder, ansonsten glaubst du die Lüge.